Mozart vom Minister


Im kleineren Maßstab als Heide Simonis trieb Bundesverkehrminister Ramsauer Unfug, nicht tanzend, sondern Klavier spielend und zwar für Autofahrer. Nachdem er schon dem Englischen in seinem Amt den Kampf angesagt hatte - Mitarbeiter seiner Behörde sollten „Klapprechner“ statt „Laptop“, „Tafelschreibblock“ statt „Flipchart“ und „Auftaktveranstaltung“ statt „Kickoff Meeting sagen“ - war es nun auf den Verkehrsstress abgesehen: Klavierkonzerte von Mozart sollten es richten, eingespielt u. a. auch von ihm selbst. Im Februar 2010 hatte sich Ramsauer bei der N24-Diskussionsrunde „Was erlauben Strunz“ als versierter Chopin-Interpret vorgestellt (Etude Op. 25, No 7).
Im Juni versammelte sich nun das Orchester der deutschen Oper Berlin in der Berlin-Dahlemer Jesus-Christus-Kirche um ihn, um das Andante aus dem Klavierkonzert KV 467 einzuspielen – seinen Beitrag zur CD „Adagio im Auto“. Mit ihm in die Tasten griffen Kulturpreisträger der Deutschen Wirtschaft aus 60 Jahren, darunter Christoph Eschenbach, Dirigent war Stephan Frucht, im Hauptberuf Geschäftsführer des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft. Thema des Projekts waren die langsamen Mittelsätze in Mozarts Klavierkonzerten, „bilden sie doch“, so Prof. Dr. Edward Krubasik, Honorarprofessor der TU München und Mitglied des Wirtschaftsrates der CDU; „den Ruhepol der dreisätzig angelegten Stücke, ohne dabei den Spannungsbogen zu verlieren.“
Ein Euro pro CD ging als Spende an die Kinderunfallhilfe, der Schwerpunkt der Aktion sah Ramsauer jedoch woanders:„Die Vision liegt ganz einfach darin, dass wir Fahrer von aggressivem Fahren abhalten wollen, deeskalierend wirken wollen durch dieses Musikerlebnis.“ Auch des Ministers Grußwort ging in diese Richtung: „Als Liebhaber klassischer Musik und begeisterter Hobby-Pianist bin ich fest davon überzeugt, dass die riesige Palette an klassischer Musik für jeden Geschmack etwas bereithält. Und warum sollte nicht gerade eine Autofahrt dazu geeignet sein, sich mit der phantastischen Welt der Klassik näher vertraut zu machen?“
Die Frage, ob sich allzu konzentriertes Zuhören bei den komplexen Tonschöpfungen beim Fahren nicht eher lebensbedrohlicher auswirken kann, drängt sich allerdings auf, wenn man Ramsauers Fazit glauben darf: „Ich bleibe bei meiner Behauptung und These, dass allein ein einziger solcher Satz aus einem Mozart-Klavierkonzert viel mehr Geheimnisse der Interpretation in sich birgt als der gesamte Bundesverkehrswegplan zusammen.“
 
zurück zur Übersicht